Unsere Sommerfahrt 2023 führte uns nach Südfrankreich. Durch einen Tipp eines Ehemaligen entschieden wir uns für Sisteron, in der Hoffnung auf ein Abenteuer, das wir nicht vergessen würden. Kurz vor der Abreise begannen in Frankreich starke Proteste und Unruhen, die teilweise eskalierten. Deshalb setzten wir uns kurzfristig mit den Eltern zusammen und überlegten, ob wir die Fahrt antreten konnten oder ob es zu gefährlich wäre. Am Ende entschieden wir uns dafür. So standen wir schließlich alle voller Vorfreude am Bahnhof.
Mit verstautem Essen, schweren Rucksäcken auf dem Rücken und einer Gitarre in der Hand stiegen wir zu elft singend in den ICE. Als wir abends in Sisteron aus dem Zug stiegen, kam uns sofort die warme, wohlige Luft entgegen, begleitet vom Duft der Lavendelsträucher. Ab diesem Moment war klar: Jetzt geht es los.
Die erste Nacht verbrachten wir neben dem Bahnhof, zwischen zwei Autobahnen, gut versteckt im Gebüsch. Wir breiteten unsere Jurtenplanen aus, zogen uns um und putzten Zähne, was mit der Zeit eher dürftig wurde. Als wir uns schließlich hinlegten, legte sich ein Wanderer einfach mit Kleidung und Sonnenhut zu uns auf die Plane und meinte nur: Ich schlafe jetzt. Keine fünf Minuten später war regelmäßiges Schnarchen zu hören.
Am nächsten Morgen wachten wir energiegeladen auf, manche von uns lagen halb in Sträuchern. Ohne Frühstück gingen wir zurück zum Bahnhof und setzten uns in die Wartehalle der Bushaltestelle. Dort fingen wir an zu singen und lieferten den wartenden Menschen zusätzlich noch eine spontane Fahrstuhlshow. Nach gefühlten zehn Jahren Verspätung kam schließlich der Bus. Wir verstauten unsere Rucksäcke im Gepäckraum, die Gitarre nahmen wir aus Angst um sie mit in den Bus.
In Sisteron angekommen kämpften wir mit viel zu großen Rucksäcken und machten uns zuerst auf den Weg zur nächsten Bäckerei. Mit riesigen, vollgestopften Baguettetüten liefen wir anschließend zum Freibad, aßen dort und kühlten uns ab. Die folgenden Tage bestanden aus Wandern, aber vor allem aus Baden in klaren Flüssen. Wenn wir gerade nicht im Wasser waren, sehnten wir uns danach.

Eines Tages schloss sich uns ein Hund an, der extrem lieb war und uns nicht mehr von der Seite wich. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, ihn loszuwerden, beschlossen wir, ihn zurückzubringen. Eine kleine Gruppe lief einen großen Teil der Tagesroute zurück zu dem Ort, an dem wir vermuteten, dass er zu Hause sei. Doch auch dort wollte er unbedingt wieder mit uns kommen. An einem besonders heißen Tag kamen wir an einen Wasser- beziehungsweise Trinkwasserspeicher. Es waren etwa 37 Grad und das Wasser war nicht einmal kalt. Obwohl das Betreten eigentlich verboten war, hielt uns das keine Sekunde davon ab, hineinzuspringen. Am selben Tag verpassten wir Konni mit einer Nagelschere eine neue Frisur.
Am nächsten Morgen versuchten wir, einen Berg zu erklimmen. Doch durch die Hitze und mehrere Zusammenbrüche mussten wir den Aufstieg abbrechen. Der Berg wurde an diesem Punkt endgültig bergab beschlossen. Erschöpft fanden wir einen Wasserlauf, machten Mittagspause und entschieden uns, zurück ins Tal zu gehen.
Ein paar Tage später erreichten wir einen Supermarkt mit Klimaanlage. Dort hielten wir uns extrem lange auf, genossen die Kühle und aßen endlich wieder richtiges Obst zum Frühstück. Direkt neben dem Supermarkt floss ein Fluss, der uns eigentlich während fast der gesamten Fahrt begleitet hatte.
Vor dem Supermarkt passierte noch etwas sehr Lustiges. Einer von uns wollte einem Franzosen freundlich etwas zurufen, so etwas wie Guten Tag. In dem Moment fiel ihm aber kein einziges französisches Wort ein. Das Einzige, was er im Kopf hatte, war Bon Anniversaire. Also rief er dem Mann laut „Bon Anniversaire“ zu. Der Franzose blieb stehen und schaute sich völlig verwirrt um, denn Bon Anniversaire bedeutet eigentlich alles Gute zum Geburtstag. Dieser Ausruf begleitete uns von da an durch die nächsten Tage. Wir riefen ihn gefühlt jedem zu. Und selbst wenn es jemand falsch verstanden haben sollte, konnte uns eigentlich niemand böse sein, weil wir dabei immer so zuckersüß gelächelt haben.

An diesem Fluss sprangen wir später von Felsen ins Wasser. Dort passierte erneut etwas Lustiges. Gerade wollte einer von uns von einer Brücke springen, als ein Fahrradfahrer anhielt und fragte, was wir hier machen. Schnell merkten wir, dass wir beide Deutsch sprachen. Er stellte sich als ehemaliger Pfadfinder heraus und kannte sogar Leute aus unserem Umfeld. Mitten in Südfrankreich trafen wir so den Onkel eines Maschis, den wir gut kannten.
Später kamen wir in die Gorges de la Méouge, wo wir mehrere Tage verbrachten. Dort gab es klares Wasser, Felsen zum Klettern und natürliche Wasserrutschen. In dieser Zeit machte jemand von uns eine Poko-Prüfung. Wir führten die Person zunächst in eine andere Richtung weg, und sie musste anschließend selbstständig zu uns zurückfinden. Am nächsten Tag wurde die Prüfung erfolgreich bestanden.
Zwischendurch saßen wir in kleinen Dörfern stundenlang in Cafés und schauten Tour de France, die während unserer Fahrt stattfand. Nach einigen Tagen ging unsere Gaskartusche kaputt. Das bedeutete zwei Tage lang Couscous mit Ketchup, oder eher Ketchup mit Couscous. Das Wasser dafür legten wir einfach in die Sonne, nach einer halben Stunde war es heiß genug.
An einem der letzten Tage klopften wir bei Leuten an, um Wasser aufzukochen. Dabei erlebten wir einige sehr weirde, aber lustige Situationen. Die Nudeln waren allerdings viel zu salzig. Beim Frühstück kaufte einer von uns heimlich Croissants und beschrieb sie später als die besten seines Lebens.
Die letzten Tage verbrachten wir wieder in Sisteron. Zwei Tage lang saßen wir im Freibad. Da wir noch viel Geld übrig hatten, bekam jeder täglich ein fast einen Meter langes Baguette, eine ganze Tomate und eine ganze Mozzarella. Das war extrem lecker.
Am vorletzten Abend trafen wir französische Pfadfinderinnen, die noch keinen Schlafplatz hatten. Wir luden sie ein, bei uns zu übernachten. Der Abend war sehr gemütlich. Die Jungs spielten, wir Mädchen saßen zusammen, aßen und redeten lange. Sie kamen aus der Nähe der spanischen Grenze. Am letzten Tag bekam Moritz beim Schwimmen einen Ellbogen ins Gesicht. Zur Sicherheit fuhren wir ins Krankenhaus. Der Arzt schaute kurz und meinte nur: It’s not broken. Später stellte sich heraus, dass er fragwürdige Medikamente empfohlen hatte. Ein sehr spezieller Abschluss. Am letzten Abend aßen wir gemeinsam viele Pizzen und ließen die Fahrt ausklingen. Am nächsten Tag ging es zurück nach Deutschland. Es war unsere erste Sommerfahrt nach Corona und für fast alle die erste überhaupt. Und genau dafür war es eine wirklich schöne Zeit.
